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Zukunft digitales Emotionsmanagement im eLearning.

“Mit diesem Kapitel geht es dir nicht so gut, stimmts?” Keine außergewöhnliche Frage, genau so könnte sie einen Trainer oder Programmtutor stellen. Nur, glaubt man Forschern, werden Fragen dieser Art bald nicht mehr vom Coach, sondern vom digitalen Lerntool gestellt. Insbesondere wenn es die emotionale Ebene des Lernens betrifft.

Automatisierte Emotionserkennung ist ein Forschungsthema, das mit Riesenschritten in die Praxis drängt.

Bald werden digitale Lerntechnologien erkennen können, wie sich Lernende fühlen. Löst ein bestimmtes Kapitel Freude oder Entspannung aus? Erzeugen bestimmte Lerninteraktionen Stress? Ein verlässliches Werkzeug ist die Analyse von Gesichtsausdruck und Mimik, heutzutage ohne kostspielige Hardware, einfach mit Hilfe einer Standard Webcam möglich.

Lernen im Team und in Freizeit

Doch nicht nur das. Digitale Lerntools werden auf die emotionalen Zustände der Lernenden reagieren können. Mary Czerwinski Forscherin bei Microsoft gibt auf der Konferenz “HCI International” in Las Vegas Einblicke in die Entwicklungen und zukünftigen Möglichkeiten.

Chatbot im Gras

Laut Czerwinski wird an intelligenten “Synthetic Agents” gearbeitet, die Usern jederzeit und in Echzeit zur Verfügung stehen und auch aktiv intervenieren werden. Zum Beispiel durch das alleinige Hinweisen auf eine emotionale Phase, also zur Bewusstseinsbildung der Lerner. Oder mit Vorschlägen zur Änderung des Lernpfades und durch Anbieten von alternativen Content.

Die Erscheinungsform dieser Lernagenten kann vielseitig sein. Ein Chatbot ohne humanes visuelles Erscheinungsbild ist genauso denkbar wie ein animierter Avatar.

Lernunterstützende Agenten könnten zu permanenten Begleitern werden und ihre User immer besser verstehen – auch über einzelne Lernmodule hinweg.

Nur, hört man auf den emotionalen Beistand eines synthetischen, künstlichen Avatar? Laut Czerwinski: ja. Ihren Forschungen zufolge schätzen Personen die emotionale Unterstützung, weil sie helfen können emotionale “Low Points” besser zu erkennen und zu überwinden.

Um die Akzeptanz und die Glaubwürdigkeit der Agenten zu erhöhen kommt es ganz auf das Design an. Beispielsweise wird Digital Agents mehr Vertrauen geschenkt, wenn sie den eigenen Sprach- und Argumentationsstil imitieren. Ruhige Sprecher wollen nicht argumentative überrollt werden.

Emotionen Erkennen als Grundlage für Emotionsmanagement

Und natürlich spielt Attraktivität eine Rolle. Czerwinskis Studien zufolge glauben Benutzer einem visuell attraktiven Avatar wesentlich mehr, um es genau sagen: nahezu alles. Auch Unwahrheiten. Soweit zur Manipulierbarkeit des Menschen. 🙂

Dieser Beitrag wurde verfasst von Michael Leitner (Head of Research, Interaction Design, UI/UX)