Trends im eLearning 2016 – und was kommt dann?

Performance Support, Adaptive Lerninhalte, Explorative Angebote – das sind Dinge, die wir gerne kritisch hinterfragen. Nicht weil wir sie nicht mögen. Wir lieben es Inhalte für genau diese drei Begriffskategorien zu erstellen und auch das System dafür zu implementieren.

Aber hinter diesen drei oft genannten Trends 2016 verbirgt sich so mancher Pendelausschlag, der bekanntlich irgendwann wieder zurückkommt, wenn nicht… und da greife ich nur mal den ersten Begriff auf:

Performance Support. Oft gestärkt durch das 70:20:10 Modell, in dem man informelles oder on-the-Job Lernen mit Informationen schnell und kontextorientiert zur Verfügung stellen verwechselt.

Wie geht das? So geht das! – Gut, wenn ich schnell und eben sofort und inhaltlich passend die Antwort auf meine Frage bekomme ohne dass ich meine „Umgebung“ verlassen muss. Die Herausforderung steckt in dem, wie es nach der kurzen knackigen Antwort weitergeht.
Und wie geht das? So. Und das? So. Und…

Wer kurze Anweisungen gibt der nimmt seinem Gegenüber die Chance, sich in Zukunft seine nächste Frage vielleicht selbst beantworten zu können. Weil er sonst vielleicht gelernt hätte sich anhand von Prinzipien und Mustern einzelne Fälle selbst herzuleiten.

Genau hier nehmen Performance Support Systeme gerne Zeit die sie vorher versprochen haben zu geben. Bzw. der kluge Nutzer hört einfach auf damit. Oder: Wie oft geben sie dem Medium „Betriebsanleitung“ oder „Hilfetext von Microsoft“ noch eine Chance?

Kommunikationskultur – eben auch Lernkommunikations-Kultur kann man auch ganz schnell wieder kaputt machen.

Herleitung

Definitiv weiter bewegt sich: Blended Learning nach 70:20:10 im Sinne eines immer nahtloseren Integrierens von mehreren Lernorten bzw. eigentlich immer mehr den verschiedenen Lernsituationen. Weiters bewegt sich:

Wer denkt, dass TIN CAN nicht nach Deutschland oder Österreich kommt, der irrt!

TIN CAN ist schon längst da. In den meisten guten Systemen (gemeint: Lern Management Systeme / LMS) sind einige der TIN CAN Prinzipien längst umgesetzt. Das Wichtigste: DIRECT ACCESS bzw. erweitert MULTIPLE DIRECT ACCESS. Also der direkte Zugang auf meinen Lerninhalt egal mit welchem „Zugang“. Oder eben technisch: Endgerät!

Das LMS verschwindet damit immer mehr in den Hintergrund. Für mich als Lerner ist das System dahinter maximal noch „mein persönlicher Account„. Aber selbst die Verwaltung „meines Accounts“ passiert über den Lerninhalt. Vergleichbar werden die Plattform-Systeme der Zukunft mit dem „Account“ eines GameCenters von Apple oder Google sein. Egal welches Spiel (das ist der Inhalt) ich mit meinem Smartphone nutze, „meine Daten“ Fortschritte sind im GameCenter vereint. Das GameCenter ist die Plattform dahinter! Sichtbar wird sie in den seltensten Fällen. Wenn ich als User den Inhalt weiter benutzen möchte klicke ich auf ein App-Icon oder mein Browser weiß schon anhand der ersten Eingaben (meinem Kontext) wohin ich will!

Und zum Abschluss: einen erlauben wir uns dann doch. Einen absolut mega- und überspannenden Metatrend Nr.1: Inhalt und Weiterentwickeln wird immer mehr zusammenwachsen.

Oder: Was macht eLearning bisher unglaublich „undigital“!

In der herkömmlichen SCORM-Denke wurde noch stark getrennt zwischen Lerninhalten und Plattformfunktionalitäten wie z.B. einem Diskussionsforum. Was damit vielerorts leider immer noch versucht wird zu trennen ist das initiale Lernen (UseCase1) und das ständige Weiterentwickeln, Nachschlagen und weitere Auseinandersetzen mit den Inhalten (UseCase2).

Auch aus einem Verständnis heraus, dass sich Inhalte weiterentwickeln und ich meine Lerngruppen erst wieder durch ein weiteres Rollout (z.B. eines weiteren WBTs) an Veränderungen des Inhaltes partizipieren lassen kann, ist eLearning unglaublich „undigital“!

Mit Tools wie dem cBook wachsen Elemente aus dem eLearning-Content und die Kommunikation des Social Learning endlich zusammen. Sehr verzahnt und „kontextorientiert“ – das war mir dabei wichtig!
Das Resultat: Das Lernen geht weiter und mündet in einem ständigen Weiterentwickeln anhand derselben Ressourcen die einst zum initialen Eröffnen des Lernprozesses verwendet wurden.

Lernproduktionen werden damit einem Mehrnutzen zugeführt.

Nutzen 1 & UseCase 1: Ich lerne und bekomme die Möglichkeit mir die Inhalte herzuleiten anhand von medienadäquaten Lernangeboten! Die wichtige erste Learning Experience!

Nutzen 2 & UseCase 2: Ich entwickle mich, meine Inhalte vielleicht auch zusammen mit meiner vernetzten Lerngruppe weiter. Aber das passiert an ein und demselben Ort. Pro Thema. bzw. sagen wir dazu: „Pro Identität“. Aber dazu später mal mehr.

Dass unternehmensinterne IT homogener wird und z.B. es in ihrem Unternehmen intern nur ein System (wie extern eben auch nicht) geben wird mit dem sich ihre Teams oder eben Lerngruppen virtuell austauschen glauben Sie nicht wirklich, oder? Mmmh. Bei allem Bestreben die Komplexität unserer Welt zu managen, ein bisschen heterogen bleibt sie dann doch. Deshalb: die Dinge dorthin zusammenziehen wo sie gebraucht werden und nicht beginnen virtuelle Häuser zu bauen in denen ich in dem einen Stockwerk „lesen“ darf, im anderen darüber nachdenken, reflektieren bzw. mich mit anderen austauschen und und und… in der Realität funktioniert das auch nicht.

 

Dieser Beitrag wurde verfasst von Christoph Schmidt-Martensson (Gründer & Geschäftsführer)