Gekommen, um zu bleiben? Talentmanagement in Unternehmen

Talentmanagement

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Im ersten Teil unserer Rubrik Teams, Talente | Temperamente haben wir uns mit HR-Expertin und CREATE-Abteilungsleiterin Sylvia Pögl über allgemeine Aspekte von Talentmanagement und Teamentwicklung in Unternehmen unterhalten und interessante Einblicke in 2 Themenbereiche erhalten, die in den Personalabteilungen dieser Welt zunehmend an Bedeutung gewinnen – nicht zuletzt aufgrund der sich stetig intensivierenden Jagd nach Kompetenz, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

Dass es dabei aber nicht bloß um Unternehmenskennzahlen, sondern in erster Linie um Menschen geht, ist wohl ein zentraler Aspekt des zweiten Gesprächs mit Sylvia Pögl, die wir diesmal für nähere Betrachtungen des Punkts „Talentmanagement“ vor unser CREATE-Mikro gebeten haben.

FRAGE (Thomas):

Hallo Sylvie. Ich freu mich, dass wir’s geschafft haben, uns heute ein wenig ins Thema Talentmanagement zu vertiefen.

ANTWORT (Sylvia):

Hallo Thomas. Ja, freut mich auch. Letztes Mal haben wir ja einen ganz guten Überblick geschafft – gemeinsam mit einem Ausflug in die Teamentwicklung. Ich finde es aber gut, dass beide Themen noch mal einen eigenen Beitrag erhalten. Danke von meiner Seite schon mal ans gesamte Blog-Team.

Thomas:

Das gebe ich gerne weiter. Jetzt aber zur Sache. Wir wollen ja heute den Fokus verstärkt auf Talentmanagement legen. Erzähl doch mal zu Beginn, gibt es da einen Aspekt, oder etwas Grundsätzliches, das dir bei dem Thema am Herzen liegt?

Sylvia:

Ja, eigentlich schon. Weil wir beim letzten Mal auch das Thema Talentmanagement-Tools angeschnitten haben – es können weltweit tausende solche Tools verwendet werden. Viel entscheidender ist aber die Frage: Wie hält man eigentlich Talente im Unternehmen?! Also, zuerst sie zu definieren, ja, aber dann: Wie schaffe ich es, sie zu binden?!

Thomas:

Ah, interessant! Und worauf achtest du da in deiner täglichen Arbeit?

Sylvia:

Grundsätzlich versuche ich aufmerksam zu beobachten. Bei uns in der CREATE – aber auch anderswo – zeigt sich außerdem die Wichtigkeit gezielter Abstimmungen von HR mit den Abteilungsleitern bzw. Führungskräften. Also Leuten, die Talente regelmäßig im Alltag beobachten, führen und entwickeln. Damit ich das besser im Blick habe und steuern kann, verwende ich den Begriff der Schlüsselpersonen.

Thomas:

Was sind nach deiner Definition solche Schlüsselpersonen, und was sind Maßnahmen, um sie ans Unternehmen zu binden?

Sylvia:

Nun, Führungskräfte sind natürlich per se schon mal Schlüsselpersonen, definiert durch ihre Funktion. Diese sind angehalten, in ihren Teams ebenfalls Schlüsselkräfte zu identifizieren, um diese dann auch bestmöglich halten zu können. Gekennzeichnet sind Schlüsselpersonen z.B. durch ihre Vorbildfunktion. Ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin, die die Unternehmenswerte, die Strategie und die grundlegende Ausrichtung kennt, sie mitträgt und im Unternehmen multipliziert. Das muss eben gar nicht zwingend eine Führungskraft sein.

Thomas:

Du sprichst von Integrationsfiguren.

Sylvia:

Ja genau! Leute, die sich mit dem Unternehmen identifizieren und durch ihre Wirkung auf andere helfen, das Schiff auf Kurs zu halten, aber auch Dinge weiterzuentwickeln. Bei CREATE sind das z.B. sicher auch speziell die Projektleiter. Oder Stellvertreter von Führungskräften. Für mich sind das im engeren Sinn einfach Personen, die ein Talent dafür haben einerseits zu führen und andererseits sowohl strategisch als auch operativ zu agieren.

Thomas:

Und wie bindest du die ans Unternehmen?

Sylvia:

Ich beobachte, identifiziere – teilweise mit Unterstützung eines Talentmanagement-Tools, führe unzählige Entwicklungsgespräche und setze mich dafür ein, solchen Personen sukzessive mehr Verantwortung zu übertragen und sie auch immer wieder zu challengen – im positiven, wertschätzenden Sinne.

Thomas:

Das klingt sehr individualisiert und auf den Menschen zugeschnitten.

Sylvia:

Durchaus. Talente sind individuell. Deshalb sollten auch Entwicklungsmaßnahmen so individuell wie möglich sein. Und wenn ein solches Talent coole Projekte übertragen bekommt und in seinem Expertenstatus gezielt gefördert wird, dann wirkt das mindestens so motivierend wie monetäre Anreize. Und Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen sind der Schlüssel zur Mitarbeiterbindung. Hier setzen wir an. Natürlich ist da die Qualität der Projekte in der CREATE hilfreich, weil das Expertenwissen zielgerichtet auf hohem Niveau gleich angewendet und nicht zuletzt auch weitergegeben werden kann. Das ist ein großer Motivationsverstärker und überaus wichtig.

Thomas:

Du sprichst von Transfer, ein wichtiger Punkt! Das heißt hinsichtlich der Bindung geht es im Kern um Entfaltungsmöglichkeiten, hab ich das richtig verstanden?

Sylvia:

Entfaltung mit Verantwortung, so könnte man das zusammenfassen.

Thomas:

Weil du vorhin kurz erwähnt hast, dass du dich eines Talentmanagement-Tools bedienst. Du legst ja nicht unmittelbar den Fokus drauf, das hast du schon gesagt. Kannst du uns hier trotzdem noch was dazu erzählen? In diesem Bereich ist die Auswahl ja groß, und viele Unternehmen nutzen solche Werkzeuge intensiv.

Sylvia:

Du hast recht. Als KMU ist es für die CREATE auch leichter andere Entwicklungsmaßnahmen zu forcieren. Hier muss man es, glaube ich, nicht übertreiben. Was ich aber dennoch bei uns eingeführt habe, ist die TMA-Talente- und Motivationsanalyse. Diese fußt auf Erkenntnissen des Harvard-Psychologen Henry Murray und hat eine für unseren Kulturkreis hohe Validität aufgrund der spezifischen Charakteristika der Referenzpersonen und nicht zuletzt durch die Erfahrungswerte von bisher rund 2 Millionen Teilnehmern. Sie hilft uns dabei, die Talente, Motivationen und Stärken von Menschen soweit es geht sichtbar zu machen und darzustellen. Gemeinsam mit den obligatorischen, der Analyse folgenden Feedbackgesprächen ergibt sich hier ein stimmiges Bild, das, auch nach meiner persönlichen Erfahrung, häufig ein sehr gutes Ergebnis liefert. Es ist also eine schöne Grundlage für mich – zusätzlich zu den anderen Punkten, die ich schon erwähnt habe.

Thomas:

Das bedeutet also, du verfolgst den Ansatz, einerseits das Individuum hinsichtlich der Entwicklungs- und Bindungsmaßnahmen gezielt ins Zentrum zu rücken, und andererseits eine Kombination aus Analytik und persönlichem Gespräch?

Sylvia:

So ist es.

Thomas:

Alles klar. Und was die Schlüsselpersonen, Individualität und coole Projekte mit unserem zweiten großen Thema „Teamentwicklung“ zu tun haben, und wie all das zu einem harmonischen Ganzen verknüpft werden kann, erfahren wir dann im dritten Teil unserer Interviewserie.

Vielen Dank Sylvia und bis bald!

 

Dieser Beitrag wurde verfasst von Thomas Murauer (Concepter, Author, Project Manager)