Die Stimme des eLearning – Wie verleihen wir einem Tool Menschlichkeit?

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Im eLearning    vor allem im Web-Based-Training (WBT) werden die unterschiedlichsten Medien in Kombination eingesetzt. Denn jedes Werkzeug hat seine ganz eigene Rolle und kommuniziert auf unterschiedlichen Ebenen.

Sprache ist ein wichtiges Instrument in der Vermittlung von Information, daher werden Inhalte immer häufiger auditiv begleitet. Einem WBT wird so Menschlichkeit verliehen und es wird Stimmung erzeugt.

Wird Stimme in eLearnings/WBTs eingesetzt, und darin sind sich eigentlich alle, die sich mit dem Thema befassen, einig, muss zu allererst ein Blick auf das Konzept geworfen werden, denn spätestens nach der ersten Vertonung wird klar – Lesen ist nicht gleich Sprechen.

Sprache in eLearnings soll das Verständnis fördern. Nur müssen hier gewisse Aspekte beachtet werden. Lesen wir nochmals den vorherigen Absatz, als Beispiel. Haben Sie Ihn verstanden? Vermutlich spätestens nach dem zweiten Mal Lesen. Aber stellen wir uns jetzt vor, dieser Satz wird laut vorgelesen. Dabei kann man schon wesentlich leichter den Faden verlieren, nicht wahr?

Was heißt das nun für ein gutes Konzept? Um diese Frage zu beantworten muss man wissen: Sprache wird über das Kurzzeitgedächtnis aufgenommen. Erklärtes Ziel ist es daher, Schachtelsätze in der Konzeption zu vermeiden und möglichst klar und deutlich zu formulieren.

Richtig eingesetzt haben wir mit Sprache großen Einfluss auf die Lernerfolge.

Es können schwierige Inhalte vereinfacht und anschaulich vermittelt werden, um so die Komplexität der Themen möglichst zu reduzieren. Wie? Durch die Kombination einer Vielzahl von Darstellungsformen!

Texte, Grafiken, Sprecher oder auch interaktive Videos (unser Mr. Fish!) können in WBTs kombiniert werden. So sprechen wir unterschiedliche Lerntypen gleichermaßen an. Jeder tendiert mehr oder weniger zu einem dieser Typen.

  • visueller Lerntyp
  • auditiver Lerntyp
  • Kinästhet

Jetzt könnte man natürlich sagen, klar: Durch Bilder und Grafiken wird der visuelle Typ angesprochen. Gerade für den auditiven Lerntyp ist der Sprecher da und der Kinästhet braucht die Erfahrung, die Kombination – das Ausprobieren. Wir sprechen die Lerntypen nach ihren individuellen Bedürfnissen an. Fakt ist aber, dass jeder dieser Typen durch die Vermittlung auf mehreren Ebenen und den Einsatz von Sprache profitiert und dass Lerninhalte so vertieft werden.

Der Medienmix ist also essentiell und Sprache spielt hier – vor allem in Bezug auf Emotion, Intention und Motivation – eine wichtige Rolle.

Neben der Körpersprache ist die Stimme das zentrale Element der Kommunikation.

Mit ihr übermitteln wir Emotionen. Emotionen wiederum steuern unsere Kommunikation. – Sie steuern unser Verhalten.

Wie das geht? Unsere Gedächtnisleistung steht in engem Zusammenhang mit unseren Emotionen. Gefühle sind Träger für unser Gedächtnis. So kann beispielsweise innerhalb des WBTs eine Erinnerung getriggert werden und der Lernende wird so in eine gewohnte und bekannte Situation versetzt. Anhand des Tonus der Stimme kann ein vertrautes Beziehungsschema geschaffen werden. Wollen wir uns etwa auf „Augenhöhe“ unterhalten, wird die Stimme locker und freundschaftlich sein und so eine Umgebung geschaffen, in der wir uns wohl fühlen. Geht es um die Vermittlung von Kompetenz, setzt man oft einen seriöseren Tonfall ein, da die gefühlte Rangordnung auch ausschlaggebend für die daraus entstehende Lernmotivation ist.

Die jeweilige Rolle des Sprechers soll immer dazu führen, dass der Lernende animiert wird und der Inhalt so die emotionale Ebene erreicht. Dazu, dass der Mensch emotional involviert wird. Denn: Wissen ist dann beständig, wenn wir es durch die Partizipation oder Herleitung erlebt haben!

Wie erreicht der Sprecher all das?

Die Stimme braucht eine Persönlichkeit, die zum Lernziel und Lernkontext passt.

Brauchen wir es seriös? Kompetent, freundschaftlich, extrovertiert, introvertiert, albern, verunsichert, aggressiv? Denn es sollen ja nicht immer nur Kompetenzen vermittelt werden. Oft geht es uns vorrangig darum, neugierig auf die Inhalte zu machen und den Lernenden abzuholen.

Professionelle Sprecher können den passenden Tonus liefern und trotzdem verständlich sein. Denn über alle Emotionalität darf es auf keinen Fall an Deutlichkeit fehlen. Für ein gutes Sprechverhalten braucht es gewisse Faktoren, wie etwa die ideale Lautstärke, ein passendes Sprechtempo und saubere Artikulation. Eine richtig gewählte Pause erleichtert es wichtige Aspekte hervorzuheben und fördert das Verständnis.

Immer wieder kommen in eLearnings Laienstimmen oder synthetische Stimmen zum Einsatz. Meist aus Kostengründen. Für bestimmte Inhalte kann das durchaus Sinn machen. So kann ein Laie etwa für einen Erfahrungsbericht herangezogen werden, um so Authentizität zu vermitteln und die Akzeptanz für das Gesagte zu erhöhen. Ein solcher Bericht funktioniert meist noch besser mittels eines Videos, da hier durch die Visualisierung die Verständlichkeit verstärkt werden kann. Wenn Kosten ein großes Thema sind, kann eine synthetische Stimme durchaus bei freiwilligen Zusatzinhalten herangezogen werden. Das sind dann klassische Further Reading, also weiterführende Literatur. Der Ort an dem sich auch zusätzliche PDFs und Quicklinks finden. Wichtig ist aber, dass bei „nicht freiwilligen“ Inhalten – den aufbereiteten Lerninhalten – auf die Qualität der Stimme geachtet wird.

Rhythmus, Tempo, Frequenz, Melodie, Klangfarbe, Lautstärke, Betonung – alles phonetische Nuancen, die richtig eingesetzt dazu führen, dass mehr als nur semantischer Inhalt vermittelt wird. Eine gut gewählte und eingesetzte Stimme verknüpft Information mit Gefühl und Gedächtnis des Zuhörers.

 

Dieser Beitrag wurde verfasst von Elisabeth Innerwinkler (Project Manager & Customer Relations)