Spielend Lernen – Ein Gespräch mit Stefanie Feder über Game-based Learning

Stefanie Feder

Gamification ist im eLearning bereits Standard, ganzheitliche Game-based Learning Konzepte hingegen werden eher zaghaft angenommen. Wie sich das ändern könnte und welche Rolle wir dabei einnehmen, erfahren Sie in diesem Gespräch mit der Senior Konzepterin Stefanie Feder.

In ihrer fünfjährigen eLearning-Erfahrung war Stefanie in Projekte rund um Adventure-based Learning involviert und verfasste ihre Masterarbeit über “Game-based Learning in der Personalentwicklung”.

Tobias:

Ein großer leidenschaftlicher Part in deinen Konzepten ist dem spielerischen Lernen gewidmet. Aus deiner Erfahrung heraus: Was zeichnet Game-based Learning aus?

Stefanie:

Eine der wichtigsten Fragen in der Konzeption ist ja: Wie motiviere ich die Lernenden? Die Integration von spielerischen Elementen ist ein Ansatz, der bei jedem Thema greift – egal wie komplex.

Gamification – also das Nutzen von Spielfunktionen in spielfremden Kontexten – hat sich auch im eLearning als Motivator bewährt. Was gängig ist: Lerner erreichen Ränge, sammeln Punkte oder spielen Level frei. Selbst die Visualisierung des Lernfortschritts hat einen spielerischen Hintergrund. Die Königsklasse des Game-based Learnings besteht aber darin, ganzheitliche Konzepte umzusetzen.

Tobias:

Ein ganzheitlicher Ansatz des spielbasierten Lernens. Jetzt hast du meine Neugier geweckt. Wenn ich das richtig interpretiere, ist das Spielen dann keine Begleiterscheinung mehr, sondern ein immanenter Bestandteil des Lernens.

Stefanie:

Genau, die Lerninhalte werden dabei nicht einfach nur durch scheinbar erzwungene Spielelemente ergänzt, sondern sind eingebettet in ein durchdachtes Game-Design. Das stellt automatisch höhere Anforderungen an die Konzeption. Tritt das spielerische Lernen in den Vordergrund, ist gutes Storytelling die Voraussetzung. Eine Geschichte – zum Beispiel in der Form eines Use-Cases – wird zum roten Faden des Lernthemas. Lernen wird so zugänglicher und die Lernerfolge nachhaltiger.

Tobias:

Wie können unsere Kunden von dieser Nachhaltigkeit profitieren?

Stefanie:

Dramaturgie und somit auch durchdachtes Storytelling sind ja ein essenzieller Bestandteil unserer Angebotsvielfalt. Das wissen CREATE-Kunden bereits. Speziell in der Game-based Learning Ausrichtung gibt es aber noch viel unausgeschöpftes Potenzial, da der Mehrwert von ganzheitlichen Spielkonzepten nicht für alle gleichermaßen nachvollziehbar ist.

In der eLearning-Branche wird leider häufig nur ein Bruchteil der vielen guten Ideen tatsächlich umgesetzt. Das macht die Konzeptionsarbeit besonders fordernd, da das Spielerische laufend adaptiert und neu angepasst werden muss. Im Worst Case können vom Grobkonzept bis zum finalen Feinkonzept die für den nachhaltigen Lernerfolg gedachten Mechanismen verloren gehen.

Dieses Szenario bietet aber einen großen Vorteil: Unsere mutigsten Kunden werden mit der Umsetzung durchdachter Konzepte zu Pionieren des spielbasierten Lernens.

Tobias:

Und diese Pionierprojekte sind auch überzeugende Argumente für Neukunden.

Stefanie:

Absolut! Aktuell punkten wir mit interaktiven Lernvideos, die alle ein ganzheitliches Spielprinzip aufweisen. Zu nennen sind hier vor allem unser Prototyp Mr. Fish und die Website ab-gelenkt.at vom KFV.

Tobias:

Potenzial für Innovation ist also ausreichend vorhanden. Sind die Kunden erst überzeugt, wo kann spielbasiertes Lernen noch hingehen?

Stefanie:

Auch im Game-based Learning werden aktuelle Trends zum Einsatz kommen, womit der ganzheitliche Anspruch noch weiter aufgewertet werden kann. Der Spielraum wird sozusagen erweitert: Richtung Social Learning und integriertes Präsenzlernen. Ich denke dabei an Spielmechanismen, die Virtuelles und Reales kombinieren. Das beginnt mit Transferaufgaben, die dazu motivieren das Gelernte in der Praxis anzuwenden – geht aber noch viel weiter. Technologien wie NFC werden zum Einsatz kommen und lassen die Trennung zwischen Online- und Präsenzlernen verschwimmen.

Tobias:

Sozusagen Game-based Blended Learning. Könntest du uns da ein Beispiel nennen?

Stefanie:

Stimmt, wenn dann noch ein informeller Austausch hinzukommt, müsste man sogar von Game-based Blended Social Learning sprechen. Dann steckt der ganzheitliche Ansatz sogar in der Bezeichnung 🙂

Gut vorstellbar ist ein Onboarding Projekt, das verschiedene Lernkanäle, aber einen gesamten Lernfortschritt bietet. Zum Beispiel könnte die Aufgabenstellung in einem Präsenzseminar eingeführt werden, in einem eLearning-Modul starten und seinen Höhenpunkt dann im eigentlichen Spiel finden: eine Schnitzeljagd von Abteilung zu Abteilung, die über ein mobiles Endgerät gesteuert wird. Und hier kommt NFC zum Einsatz – oder auch GPS, wie beim Geocaching. Der Lerner navigiert durch das Unternehmen und erhält an ausgewählten Punkten weitere Aufgaben wie zum Beispiel: befrage Person X über seine Funktion, um zum nächsten Level zu gelangen.

Tobias:

Was bedeutet das für die Konzeption?

Stefanie:

Mit der steigenden Akzeptanz gegenüber Game-based Learning, werden die Konzeptionsanforderungen weiterwachsen und das Kompetenzprofil für Konzepter wird dadurch breiter. Als Konzepter benötige ich daher grundlegendes Know-how in puncto Game-Design und Transmedia Storytelling. Emotionen auslösen ist wichtig für die Motivation und die Identifikation mit den Lernthemen. Der Zugang zum Lernen darf kein „Ich muss“, sondern sollte ein „Ich will“ sein. Der Spieltrieb ist ja bei uns allen vorhanden, er muss nur aktiviert und zugelassen werden.

Tobias:

Danke Stefanie für deine Einblicke!

 

Das war der erste Beitrag unserer Rubrik Spielend Lernen. In den nächsten Teilen erfahren Sie mehr über konkrete Anwendungsfälle und weitere Entwicklungen des Game-based Learnings.

 

Dieser Beitrag wurde verfasst von Tobias Schwarzbauer (Author & Concepter)