Adaptive Lernsysteme – Was heißt das konkret?

Denken Sie zurück. An die Schulzeit. Ans Studium. An diesen einen Lehrer, die eine Professorin. Die es so oft geschafft haben, genau den Stoff zu wählen, der Sie gerade richtig gefordert hat. Die genau die Unterlagen parat hatten, die Ihnen am meisten geholfen haben ein Thema zu verstehen.

Das ist der Anspruch, das Ziel, das adaptive Lernsysteme verfolgen. In den letzten Jahren und Jahrzenten hat eLearning dazu beigetragen, (das) Lernen von Ort und Zeitpunkt unabhängig zu machen. Mobile Geräte, allen voran natürlich Tablets sowie mehr oder minder flächendeckender Zugang zum Internet oder offline-fähiger Content geben uns allen die Möglichkeit unsere Lernzeiten sehr individuell zu gestalten.

Der adaptive Ansatz geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur Ort und Zeit sollen sich an den Lernenden anpassen, auch der Content.

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Was heißt das konkret?

Das Lernsystem hat – aufgrund verschiedenster Variablen – die Möglichkeit, Ihnen den Inhalt so zur Verfügung zu stellen, wie Sie ihn jetzt gerade am besten rezipieren können.

Auf die Variablen dazu werde ich in einem späteren Blogbeitrag im Detail eingehen.

Sieht man sich den Markt etwas genauer an, stellt man schnell fest, dass unter „Ausliefern adaptiver Contents“ eine gewisse Heterogenität hinsichtlich der Auslegung vorhanden ist.

Während viele Anbieter adaptive Lernsysteme dahingehend anbieten, dass es vor allem Varianten von Inhalten gibt (Business-Englisch vs. Reise-Englisch oder die Stufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens) geht der gewünschte Ansatz noch viel weiter.

Nämlich hin zu einem „Intelligent Tutoring System“. Einem System, das in der Lage ist, menschliche Tutoren nachzuahmen. Eben genau den Lehrer, die Professorin vom Beginn dieses Artikels.

Diese Tutoren sind auf Sie eingegangen. Haben Ihr Verhalten beobachtet. Ihren aktuellen Wissensstand berücksichtigt. Und sich überlegt, welche Inhalte sie Ihnen als nächstes präsentieren. Und: in welcher Form!

Vielleicht sind Sie ja jemand, der gerne Fakten bekommt? Oder jemand, der eher mit Grafiken und Animationen lernt? Auditiv veranlagt und empfänglich für einen Sprecher?

Adaptive Lernsysteme sollen also das machen, was gute Tutoren schon immer ausgemacht hat. Wissen, was der Lernende als nächstes benötigt, um im vorgegebenen Thema weiterzukommen.

Der Trend geht dahin, dass das Lernsystem nicht erst am Ende einer Aufgabenstellung überprüft, ob die Eingaben richtig sind. Und dann auch nur ausgibt, ob es richtig oder falsch ist.

Nein, das Lernsystem begleitet Sie auch während des Lösungsprozesses und gibt Ihnen direkt Feedback und Hilfestellungen.

Für bestimmte Lernstoffe gibt es da schon sehr gute Umsetzungen. Ein Beispiel dafür ist Mathematik. Der Stoff eignet sich sehr gut, da die Definition von „richtig“ und „falsch“ verhältnismäßig einfach zu treffen ist.

Diese Systeme geben Ihnen bei jedem Lösungsschritt Rückmeldung, ob Sie auf dem richtigen Weg sind oder nicht. Zum Beispiel beim Addieren von Brüchen. Je nach Einstellung und Definition der Freiheitsgrade im System, können Sie einen Schritt auch mehrmals lösen. Zum Beispiel die Suche nach dem Hauptnenner. Und wenn Sie einmal gar nicht mehr weiterwissen, gibt Ihnen das Lernsystem genau dazu eine konkrete Hilfestellung.

Aber nicht nur für den Lernenden sollen adaptive Lernsysteme ein neues Erlebnis schaffen. Die gesammelten Feedbacks können an den Tutor weitergeben werden, der dann zielgenau erkennt, wo der einzelne, aber auch die gesamte Gruppe steht. Zum Beispiel könnte er erkennen, dass sehr viele beim Bilden des Hauptnenners Probleme hatten und genau dieses Thema im nächsten Unterricht nochmal durchgehen.

Bis dieser Ansatz sich auch auf andere Lerninhalte ausgeweitet hat, ist noch ein langer Weg zu gehen. Auf diesem Weg gibt es einige Punkte, die berücksichtigt werden müssen, z.B.:

  • Der Tutor bleibt wichtig! Adaptive Lernsysteme sollen Trainer nicht ersetzen.
  • Das Konzept „Adaptives Lernen“ muss von allen Beteiligen verstanden werden.
  • Transparenz hinsichtlich der Funktionsweise. Und Berücksichtigung der lokalen Datenschutzbestimmungen.
  • Adaptiv heißt nicht Bevormundung. Lernende müssen Steuerungsmöglichkeiten haben.

Dies alles sind Themen für zukünftige Blogbeiträge.

 

Dieser Beitrag wurde verfasst von Martin Berger (Head of Development)

 

Quellen:

http://didacticalreduction.com/2014/08/29/adaptive-lernsysteme-motto-i-do-it-my-way/

https://www.waxmann.com/fileadmin/media/zusatztexte/2307Volltext.pd

http://de.bettermarks.com/wp-content/uploads/website/didacta_0313_S28-31_Adaptive-Lernsysteme.pdf